Archiv für Mai 2014

EASTSIDE BOYS – Irgendwas ist immer

Die EASTSIDE BOYS sind zurück, der Sächsischen Schweiz haben sie wohl endgültig den Rücken gekehrt und tanzen nun durch Friedrichshain, wie auch das erste Video »Kein Punk in deiner Stadt« deutlich zeigt. So weit so gut.
20 Jahre haben sie auf dem Buckel und seit dem letzten Album ist einiges an Zeit vergangen, das hört man der Musik zwar nicht an, denn die ist wie in alter ESB-Manier melodisch und eingängig, aber die Texte handeln zum Großteil von einer scheinbaren Ziellosigkeit zwischen den »Alten« und der neuen Punkrockgeneration. »Der Lack ist ab«, das geben sie in einem ihrer Texte selbst zu, das ist ehrlich und auch gut so. »Ich fühl‘ mich heute nicht united« schlägt in etwa in die gleiche Kerbe, unterschiedliches Verständnis von Punkrock. Irgendwie wirft das Album mehr Fragen auf, als dass es Antworten gibt. Klar, gibt es »keinen Punk in meiner Stadt«, denn die, die smart genug sind um das ändern zu können, ziehen weg und die, die übrig bleiben, verstehen einfach etwas anderes unter Punk. Das sieht man nicht zuletzt bei den BesucherInnen-Zahlen in den Clubs der Provinz. Und die »alten und großen« Bands spielen dann eben nur noch weniger Shows und zwar in den »Metropolen«, denn man will sich nicht die Blöße geben, seine kostbare Zeit zwischen Familie und Arbeit mit einem Konzert vor 27 Leuten zu verschwenden. Willst du was gelten, dann mach dich selten…

Da schneiden sich die EASTSIDE BOYS ein wenig in das eigene Fleisch, denn beschweren kann sich nur, wer es besser macht und das fernab von Wohlfühlkiezen wie Friedrichshain oder Connewitz. Im oben erwähnten Video finden sich einige Leute, die viel für die deutsche Oi- und Punkszene getan haben, »Alte Helden« für die neue Generation also, doch was kommt danach? Ein Album wie »Irgendwas ist immer« macht da nicht wirklich Mut. Klar, von niemandem wird verlangt, bis an das Ende seiner Tage für die Punkszene zu schuften und das haben erwähnte Bands auch zur Genüge getan, aber dann darf neuen »Leuten« auch nicht die Zukunft schwarz gemalt werden.

Nun habe ich so viel kritische Worte verloren, dabei finde ich die Platte, als langjähriger ESB-Fan gar nicht schlecht, wenn ich mich eben als Mittzwanziger nicht hier und da an den Texten stoßen würde, denn als aktives Mitglied der Punkrockszene fühle ich mich ziemlich in Sippenhaft genommen. Aber vielleicht sind solche Songs auch an eine andere Zielgruppe gerichtet oder ich habe alles falsch verstanden, ich weiß es nicht…

Auf den Punkt gebracht, ein solides Album, was neben den angesprochenen Themen, nicht viel Neues bringt, aber das soll es vermutlich auch gar nicht.